Zürcher Oberländer | Montag, 26. April 2010

Tschernobyl öffnete ihm die Augen

Der Wetziker Umweltaktivist Christian Schmutz war in der «Sternstunde» zu Gast

Foto: (jam)

Am Freitag sprach der Wetziker Greenpeace-Aktivist Christian Schmutz über seinen Werdegang und die Protestaktion am Weltklimagipfel in Kopenhagen.

Dem Walder Schriftsteller Nicolas Lindt gelang es, für seine
Diskussionsrunde „Sternstunde“ einen interessanten Gast zu verpflichten:
Greenpeace-Aktivist Christian Schmutz sorgte anfangs Jahr für Schlagzeilen,
als er anlässlich des Weltklimagipfels in Kopenhagen verhaftet wurde (der
Zürcher Oberländer berichtete). Seine Störaktion beim Gala-Diner im Dänischen Königshaus brachte ihm und seinen drei Mitstreitern eine 20-tägigeUntersuchungshaft ein. Im Oberladen in Wald sprach er nun ganz unverblümt von seinen Erfahrungen mit den dänischen Behörden, von der Protestaktion und nicht zuletzt über sich selbst – Christian Schmutz den Familienvater und gleichzeitigen Greenpeace-Aktivisten.
 
Demonstrieren in Gösgen
 
Es war Tschernobyl, das Schmutz zum Hinterfragen von Umweltfragen bewog. Bis zum Zeitpunkt der ukrainischen Nuklearkatastrophe im Jahr 1986 war er ein mehr oder weniger sorglos Heranwachsender, der sich die Zeit lieber mit
Fussballspielen vertrieb, als sich Gedanken über die ökologischen Missstände dieser Welt zu machen. Als in der Folge des Unglücks einige Schweizer vor dem Atomkraftwerk in Gösgen protestierten, schloss er sich an. „Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich gar nicht, das von den AKW's eine Gefahr ausging.“ Tschernobyl öffnete Schmutz die Augen.

Ab sofort, befand er sich in einer wechselseitigen Beziehung mit der Natur,
die seinen weiteren Lebensweg stark beeinflussen sollte. So studierte Schmutz Agronomie, arbeitete auf Bauernhöfen in den Pyrenäen und verbrachte seine Freizeit so oft in der Natur, wie es nur ging. Das Klettern brachte ihn als 25-Jährigen ein erstes Mal in Kontakt mit der Umweltorganisation Greenpeace. Anlässlich eines Klettercamps, das von der Non-Profit-Organisation organisiert wurde, gelangte er zum Bewusstsein, dass Umweltprobleme an vorderster Front bekämpft werden können, oder müssen: Sich in waghalsigen Manövern an Gebäuden abseilen, Transparente anbringen und so die Öffentlichkeit auf Missstände aufmerksam machen. Es dauerte nicht lange, da wurde der ehemalige Sportkletterer Schmutz selbst zum Ausbildner in solchen Camps. Heute arbeitet er mit rund 70 anderen Festangestellten im Schweizer Greenpeace-Hauptsitz in Zürich.
 
Aktivist in der Freizeit
 
Schmutz' Alltag gleicht gemäss eigener Aussage eher einem organisatorischen
Bürojob, denn einem Leben, das von stetem Abenteuer geprägt ist. Das Abenteuer beginnt für ihn ausserhalb der normalen Bürozeiten. Dann, wenn er in seiner Freizeit zum Aktivisten wird und sich ausnahmsweise mal nicht um sein zweijähriges Kind kümmert. In Kopenhagen musste er das Unterfangen mit einer bitteren Untersuchungshaft bezahlen. Doch das gehört wohl zum Berufsrisiko.
 
Im Gegenzug gelang Greenpeace eine Aktion, die sich medial wie ein Lauffeuer um die Welt verbreitete. „Wir wollten mit dieser Aktion auch zeigen, dass man trotz Sicherheitsschranken dahin kommt, wo die grossen Staatsoberhäupter sich treffen.“ Zu jenen Präsidentinnen und Präsidenten, die gemäss Schmutz dafür verantwortlich waren, dass sich das gross angekündigte „Hopenhagen“, in lauwarme Luft auflöste. Ihr Vordringen ans Gala-Diner im Königshaus war trotz Vorbereitung, eine glückliche Aneinanderreihung von Zufällen: Die Aufschrift auf der gemieteten Limousine „Greenpeace Delegation for Mother Earth“ wurde grosszügig ignoriert und als es wirklich darauf ankam, wurden sie kurzerhand von den überforderten Securitys als Präsidentenpaar von Georgien durchgewunken.
 
„Der ganze Fall ist für die dänischen Behörden eine ziemlich peinliche
Angelegenheit“, sagt Schmutz. „Sie sagten uns ständig eine Verbindung mit dem Geheimdienst nach und wollten nicht wahrhaben, dass es sich um eine friedliche Protestaktion handelt.“ Schmutz glaubt nicht zwingend, dass der Fall nochmals aufgenommen wird: „Mein Anwalt rechnet mit einer 50-Prozent-Chance, dass die Dänen das Dossier einschlafen lassen.“ 2.8 Jahre Haft wären das Höchstmass für „die Störung eines öffentlichen Anlasses“, doch während eine solche Strafe eher unrealistisch scheint, plant Schmutz bereits an den nächsten Aktionen – ganz im Namen der Mutter Erde.
 

Kommentare

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Es gibt doch noch ein bisschen Gerechtigkeit…interessanterweise hat Patricia Kaas die diesjährige Wahl von ESCtoday in der Kategorie ‘Bester Auftritt – weiblich’ gewonnen. Yohanna ist demnach die Beste des Jahrzehnts, aber schlechter als die Kaas (Yohanna wurde bei dieser Abstimmung knapp auf den zweiten Platz verwiesen). Abstimmungen und ihre innere Logik…frohe Weihnachten allerseits!

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