Zürcher Oberländer | Mittwoch, 7. Juli 2010

Bereit für den grossen Wurf

Foto: Gesa Lüchinger

Funfish ist der grösste Anbieter von Fischereiartikeln der Region. Auf über 400 Quadratmetern findet das Fischerherz, was es begehrt. Ein Rundgang aus der Sicht eines Laien.

Die Schweiz ist nicht eben bekannt, als ein Land der Fischerei. Es lässt sich zwar die eine oder andere Forelle aus den hiesigen Gewässern ziehen, doch den Beruf des Fischers kennen wir eher durch Hemmingways Erzählung, denn aus dem Alltag. Anders verhält es sich mit dem Sportfischen. Als Hobby geniesst das Fischen einen hohen Stellenwert. Rute, Köder, einen bequemen Klappstuhl und ein Gewässer sind die Komponenten die es braucht – die Einfachheit dieser Tätigkeit lockt gerade auch gestresste Gemüter zur Erhohlung in die Natur. Fischen als meditative Alternative ohne Leistungsdruck: Falls keiner anbeisst, wartet Zuhause die Notfallpackung Fischstäbchen in der Tiefkühltruhe.
 
Das Fischereiartikelgeschäft Fun Fish in Rüti bietet alles, um das Rencontre mit Captain Iglu zu vermeiden. Sprich, mit dem geeigneten Köder beisst fast alles an. Ein Rundgang durch das rund 400 Quadratmeter grosse Geschäft, erinnert an die Durchquerung einer Spielwarenabteilung im Superdiscounter. Aus den Gestellen blitzt es auffallend bunt hervor: Neonfarbene Fische aus Plastik in verschiedenen Farben und Gewichtsklassen. Die Grösse der Ausstellobjekte überrascht teilweise: Was für ein Seemonster soll gefangen werden, wenn bereits der Köder so gross ist, wie eine ausgewachsene Forelle? Evandro Kürsteiner, Geschäftsführer von Fun Fish, erklärt, dass etwa Hechte sich kulinarisch durchaus angezogen fühlen, von derart grossem Getier. Das Muster an der Oberfläche soll den Fisch meinen lassen, es handle sich um ein Jungtier seiner Art – die aggressive Neonfarbe weckt des Fisches Aufmerksamkeit. Und so erhält das Sprichwort „der Köder muss dem Fisch gefallen, nicht dem Fischer“ auch für den Laien seinen Sinn.
 
Fische mögen es frisch
 
Wir gehen weiter und bleiben vor jener Art von Kreidetafel stehen, die üblicherweise an den Eingängen von Restaurants prangen, um Passanten mit kulinarischen Leckereien ins Lokal zu locken. Heute im Angebot: Bienenmaden 3.50.-, Laubwürmer 4.50.- oder Madengemisch 6.50.- - auch die Fortsetzung dieser Liste, bringt die menschlichen Geschmackskosten nicht wirklich in Wallung – für unsere Freunde im Wasser können wir nicht urteilen, aber erahnen. Fische mögen es Frisch: Die Würmer liegen lebendig und wohltemperiert im Kühlschrank, sehnlichst wartend auf den Sprung ins kalte Wasser. Die Larven und Würmer bezieht Fun Fish vom entsprechenden Händler oder von Bekannten, die beim Beetehacken in ihrem Garten fündig geworden sind und ihre Beute direkt im Laden abliefern. Im hinteren Teil des Geschäfts befindet sich sowas, wie der Königsteil des Shops – die Lebensversicherung und eigentliche Lizenz für jeden Angler: Die Ruten. In verschiedenen Längen und Beschaffenheiten formieren sie sich in erhöhter Zahl zu einem undurchdringbar scheinenden Hölzerwald. Ein Wald, in dem jeder Fischer fündig wird: Es gibt die Anfängerroute ab 60 Franken genauso, wie das Luxusmodell zum Fliegenfischen für 3300 Franken.
 
Ist der Fischer erst mal perfekt ausgerüstet, stellt sich die Frage nach dem geeigneten Gewässer. Die Schweiz bietet als wasserreiches Land diverse Optionen: Frische Forellen springen einen an diversen Bergflüssen- und Seen an den Haken. Grössere Gewässer wie der Wallensee beeindrucken mit einer imposanten Felskullisse und sind mit dem Auto gut zu erreichen. Fürs schnelle Fischen oder als Übungsplatz für Einsteiger eignen sich auch nah gelegene Gewässer wie der Pfäffiker, Greifen- oder Zürichsee. Mit dem geeigneten Brevet ist es fast überall erlaubt zu Fischen. Doch genau das ist auch die Hürde, die viele Fischer erst überwinden müssen: Gemäss Kürsteiner werden die gesetzlichen Auflagen für die Fischerei in der Schweiz immer restriktiver und komplexer. Zudem unterscheiden sich die Gesetze von Kanton zu Kanton, was die Beratung seiner national ausgerichteten Kundschaft erschwere. Die Reise ins weniger bürokratisierte Ausland ist deshalb für viele Sport- und Hobbyfischer ein regelmässiges Ziel: In Europa etablierten sich Destinationen wie Slowenien oder Skandinavien mit ihren kristallklaren Gewässern als besonders beliebte Fischerregionen. Diesbezüglich bietet Fun Fish auch regelmässig Camps an, die Professionell betreut werden.
 
Rund 20'000 registrierte Kunden zählt das Unternehmen Fun Fish bis Heute. Seit Kürsteiners Übernahme im Jahr 2001wurde das Sortiment laufend ausgebaut. Der gelernte Sportartikelverkäufer sieht weiteres Potenzial vor allem im Onlineverkauf. Besonders für Fischer, die weit anreisen müssen, sei dies eine praktische Alternative. Die Würmer gibt es aber auch jetzt schon direkt ins Haus geliefert – lebendig.
 
Mehr Infos unter www.funfish.ch
 
 

Kommentare

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